1 [1]Wie schnell entwickeln wir unsere Fähigkeiten weiter?
Inside [2] und ich waren letzte Woche auf einer Veranstaltung seines Kung Fu Vereins („Kung Fu Zentrum Karlsruhe [3]“) und haben dort die Kampfsportler gesehen, die seit 3, 10 oder 25 Jahren Kung Fu machen, jeweils Schätzungsweise 2 Tage die Woche bis Vollzeit.
Wie zu erwarten war (Nerdor ist überall!), haben wir überlegt, wie deren Entwicklung verlief, und wie im Vergleich dazu Rollenspiele die Charakterentwicklung behandeln.
Dabei gibt es 3 unterschiedliche Stile.
Der erste ist durch Serien geprägt: Steigerung ist unwichtig, denn eigentlich bleiben die Charaktere immer gleich und lösen mir ihren bekannten Fähigkeiten immer neue Probleme. Simpsons, Lexx, Mac Gyver und viele Krimiserien sind Vertreter dieser Art2 [4].
In der zweiten Art ist die Entwicklung der Charaktere zwar wichtig, aber sie liefert eher die Kontinuität und ist nicht der Fokus des Spiels. Beispiele sind Supernatural, Farscape und das echte Leben (in Grenzen, aber hey, es ist ein Spiel :) ). Diese Art des Spiels kann mit dem EWS über explizite Steigerung in passenden Situationen geregelt werden. Wann immer es passend erscheint, das ein Charakter besser wird, wird er auch besser. Alternativ kann das Steigerungsmodul (SteM) [5] mit etwa drei Strichen pro Jahr genutzt werden; die drei Strich pro Jahr decken in etwa die typische Entwicklung in der echten Welt ab, sollten aber je nach Erlebnissen variiert werden3 [6].
Die Dritte Art ist der Weg des Helden. Jedes Abenteuer bringt neue Erkenntnisse und der Charakter wächst mit jeder seiner Aufgaben. Der Ursprung dieser Struktur könnte in einer Adaption der typischen 3-Akt Struktur von Theater und Filmen auf episodische Abenteuer liegen. In den 3 Akten stellt sich der Protagonist erst einem Problem, um dann herauszufinden, dass es anders ist, als er dachte, dadurch zu versagen, an seinem Versagen zu wachsen (Initiationserlebnis) und mit den damit gewonnenen neuen Fähigkeiten doch zu gewinnen. Die Adaption dieser Struktur auf episodische Abenteuer bedeutet, dass Abenteuer eine (überraschende) Plotwendung enthalten und dass die Charaktere wirklich jedesmal besser werden und so im Verlauf vieler Abenteuer riesige Fähigkeitsspannen abdecken; sie können wirklich vom tumben Tölpel zum Meistermagus werden, oder vom Bauernjungen zum Feldherr, und das oft in nur wenigen Jahren. Außer in Rollenspielen, wo sie sehr verbreitet ist, wird diese Struktur vor allem in Animes wie Naruto, Fairy Tail oder Dragon Balls genutzt. Sie ist die durch das Steigerungsmodul (SteM) [5] am besten unterstützte Art der Charakterentwicklung: Jeden Spielabend erhalten die Charaktere 1-6 Striche, mit denen sie steigern können. Die Werte sind fein genug unterteilt, dass alle 1-3 Spielabende gesteigert werden kann und durch das Würfelsystem haben auch einzelne Steigerungen starke Auswirkungen, allerdings nur auf jeweils etwa ⅓ der interessanten Mindestwürfe4 [7].
In Rollenspielen gibt und Unterhaltungsmedien gibt es drei verschiedene Arten der Steigerung: Keine Steigerung, pseudo-realistische Entwicklung und den Weg des Helden. Alle 3 lassen sich mit dem EWS gut abbilden: Keine Steigerung durch das Grundsystem, der Weg des Helden mit dem Steigerungsmodul (SteM) [5] und realistische Steigerung mit dem Steigerungsmodul, allerdings nur 3 Strichen pro Jahr Spielzeit statt 1-6 Strichen pro Spielabend.
Nicht alle von ihnen brauchen wir in jedem Spiel, und das ideale Gleichgewicht zwischen ihnen kann sich je nach Welt und Runde verschieben, je nachdem, was der Gruppe am wichtigsten ist.
Die Charaktere haben eine Aufgabe in der Welt, durch die sie etwas dazulernen können. Wenn sie diese Aufgabe erfüllen, lernen sie dazu. Die Regeln sorgen nur dafür, dass das Lernen konkret handhabbar wird: „Ich habe es geschafft, und jetzt kann ich das“. Sie könnte in einigen Welten sehr schön als Erklärung dafür dienen, warum Charaktere sich so viel schneller entwickeln als die meisten NSCs.
Sie ist in etwa das, was Earthdawn mit magischen Waffen macht: Um die Waffe zu steigern, musst du etwas über ihren Hintergrund lernen, dann kannst du ihre Fähigkeiten freischalten. Die Spielbalance wird dadurch erhalten, dass du zum Freischalten einen Faden in die Waffe webst, der dich Punkte kostet.
Das Bild wurde für Battle for Wesnoth [8] von den folgenden Personen erstellt oder bearbeitet (in Alphabetischer Reihenfolge): Sirp ai0867 eleazar esr fmunoz isaac isaaccp ivanovic jetryl queenkiller soliton uid68803 zas. Arne Babenhauserheide hat die drei Einzelbilder zusammengefügt. ↩ [9]
Um diese Spielweise zu unterstützen hat das EWS Grundsystem keine Steigerung, sondern lagert sie in ein Modul aus. Wenn Steigerung nicht gewollt ist, müssen die Spieler auch nicht auf die Regeln dazu gestoßen werden. ↩ [10]
Um das noch feiner abzustufen, können Punkte statt Strichen verwendet werden. Je 3 Punkte entsprechen einem Strich, und die ersten drei Punkte geben bei Fertigkeiten einen Wert von 6 (1 Punkt), 8 (2 Punkte) und 9 (3 Punkte). Weitergehend geben 5 Striche einen Wert von 10, 7 einen von 11 und 9 einen von 12 (womit wir dann bei Dreiecken sind und nebenbei auch die Begründung haben, warum bei Fertigkeiten im SteM der erste Strich gerade einen Wert von 9 gibt). ↩ [11]
Die Besonderheit, dass Einzelsteigerungen nur die Chancen für bestimmte Mindestwürfe beeinflussen, ist bei der Beschreibung des ±W6 [12] etwas detaillierter ausgeführt. ↩ [13]
Links:
[1] http://1w6.rakjar.de/book/export/html/450#fn:wesnoth-unit-devel
[2] http://1w6.rakjar.de/uzanto/inside
[3] http://www.kungfu-karlsruhe.de/
[4] http://1w6.rakjar.de/book/export/html/450#fn:stem-modul
[5] http://1w6.rakjar.de/deutsch/module/steigerung-im-vobsy-vost
[6] http://1w6.rakjar.de/book/export/html/450#fn:punkte-statt-striche
[7] http://1w6.rakjar.de/book/export/html/450#fn:w6
[8] http://wesnoth.org
[9] http://1w6.rakjar.de/book/export/html/450#fnref:wesnoth-unit-devel
[10] http://1w6.rakjar.de/book/export/html/450#fnref:stem-modul
[11] http://1w6.rakjar.de/book/export/html/450#fnref:punkte-statt-striche
[12] http://1w6.rakjar.de/w6
[13] http://1w6.rakjar.de/book/export/html/450#fnref:w6